Ablauf einer Mediation

Laut Gesetz handelt es sich bei Mediation um ein “strukturiertes Verfahren” (§ 1 MediationsG). In der Praxis bedeutet dies, dass der Mediator die Medianden durch verschiedene Phasen leitet, die konkrete Beratungsschwerpunkte haben und logisch aufeinander aufbauen. Ich bevorzuge das folgende Modell mit sechs Phasen:

  1. Auftragsklärung
  2. Themensammlung
  3. Anliegen
  4. Ideen
  5. Optionen
  6. Abschluss

Die Einteilung der Mediation in Phasen ermöglicht den Beteiligten jederzeit eine gute Orientierung im Prozess. Trotzdem sind die Phasen hinsichtlich des zeitlichen Umfangs und der eingesetzten Methoden flexibel genug, um auf die Besonderheiten einer konkreten Mediation einzugehen.

Die Phasen der Mediation

Auftragsklärung

Im Rahmen der Auftragsklärung geht es für mich als Mediator darum, den Konflikt in den Grundzügen zu verstehen und den zu beteiligenden Medianden das Verfahren zu erläutern. Auf dieser Grundlage kann dann jeder der Beteiligten für sich entscheiden, ob eine Mediation sinnvoll scheint. Falls ja, wird zum Ende der Auftragsklärung ein Mediationsvertrag abgeschlossen.

Themensammlung

Alle Tatsachen gehören zum Problem, nicht zur Lösung.
Ludwig Wittgenstein

Zu Beginn der Mediation werden, ausgehend von den Streitpositionen und Forderungen der Parteien, die möglichen Themen der Mediation zusammengestellt, was auch eine ausführlichere Darlegung der Positionen der Parteien beinhaltet. Dann wird in einem zweiten Schritt festgelegt, in welcher Reihenfolge diese Themen behandelt werden sollen.

Anliegen

In diesem wichtigen Schritt geht es darum, die hinter den vertretenen Positionen steckenden Anliegen zu ermitteln. Also um die Antwort auf die Frage “Warum?” diese Positionen vertreten werden. Die Interessen, Motive und Bedürfnisse der Parteien sind hier zentral.

Ideen

Mithilfe von Kreativitätstechniken, z.B. Brainstorming, suchen die Parteien nach Lösungsideen, welche die in Phase 3 “Anliegen” ermittelten Bedürfnisse zu befriedigen in der Lage sind. Eine Bewertung der Ideen findet zu diesem Zeitpunkt nicht statt. Ziel ist es, möglichst viele Ideen zu entwickeln.

Optionen

Die Bewertung der Ideen stellt einen gesonderten schritt der Mediation dar. Zunächst einigen sich die Parteien auf faire Kriterien zur Bewertung der Ideen, die dann auf die Lösungsideen angewandt werden. Unter Umständen können in dieser Phase auch Gutachten von Experten eingeholt werden.

Abschluss

Auf Grundlage der Bewertung entscheiden und vereinbaren die Parteien, welche der Lösungsoptionen sie umsetzen wollen und unter welchen Bedingungen — z.B. ob es eine Erprobungszeit für einzelne Vereinbarungen geben soll. Die Lösungen können bei Bedarf in einer schriftlichen Vereinbarung festgehalten werden.

Struktur und Flexibilität

Der Vorteil, den Mediation als strukturiertes Verfahren bietet, ist, dass die Medianden eine ziemlich gute Vorstellung davon haben, was auf sie zukommt und zudem jederzeit wissen, an welcher Stelle im Prozess sie gerade stehen. So können sie abschätzen, ob der Prozess Fortschritte macht und eine Fortführung sich lohnt.

Trotz der mehr oder weniger vorgegebenen Struktur der Mediation, bietet das Verfahren dem Mediator genügend Spielraum, die Ziele der einzelnen Phasen mit passenden Mitteln zu erreichen. So können einzelne Techniken auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten werden. Beispielsweise eignen sich nicht alle Kreativitätstechniken gleichermaßen für einen Business-Kontext. So kann jeder Mediator seinen eigenen Mediationsstil entwickeln.

Mediation bietet also einen überschaubaren Rahmen innerhalb dessen der Prozess weitgehend an die Bedürfnisse der Medianden angepasst werden kann — um so effektive Lösungen zu finden.